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Drei Brüder - ein Jahr lang kostenlos beim Tennis

Es gibt unter den fast 200 Kindern und Jugendlichen, die beim TC Rot-Weiß Wahlstedt Tennis spielen, kaum andere, die mit einer solchen Begeisterung dabei sind, wie die drei afghanischen Brüder Shaheer (15), Zaheer (10) und Nesthäkchen Yama (6). Einmal pro Woche spielen sie in der Halle, ab Mai dann auch auf den Außenplätzen in der Nordlandstraße. Jeden Dienstag geht das so, und die Brüder lassen kaum mal einen Tag ausfallen. Die Söhne des Asylbewerbers Saif Arya trainieren auf Grundlage des Programms „Tennis for free“.
Diese Aktion geht auf die Initiative des Wimbledon- und Olympiasiegers Michael Stich zurück, dessen Firma Hamburg sports & entertainment, unterstützt von der Alexander-Otto-Sportstiftung, das Ganze auch organisiert. „Weg von der Konsole - ‘ran an den Tennisschläger“ ist das Motto, wobei die Kinder und Jugendlichen nicht nur regelmäßig Training in norddeutschen Tennishallen und Außenplätzen bekommen sollen - den Initiatoren ist auch wichtig, spielerisch Teamgeist, Durchsetzungswillen und Toleranz zu vermitteln. „Echte Kontakte statt Facebook-Freundschaften“ ist ein weiteres Motto.
„Tennis for free“ richtet sich also weder speziell an Flüchtlingskinder noch an sozial Bedürftige, sondern an alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren, die in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen wohnen. Bei der Vergabe ihrer gesponserten Plätze achten die Tennisvereine aber schon auf das soziale Umfeld der Bewerber - so wie der Wahlstedter Topspin-Cheftrainer und -Geschäftsführer Tobias Meyer die afghanische Familie Arya mit ihren drei Jungs als ideal für „Tennis for free“ empfand. Acht Plätze stellen der TC Rot-Weiß/Topspin zur Verfügung, sechs davon sind bereits belegt. Die beiden bislang letzten für zwei Mädchen, die gerade mit ihrer Mutter, einer gebürtigen Wahlstedterin, nach Wahlstedt zurückgekehrt sind.
„Zu Hause haben sie nicht Tennis gespielt. Sie haben überhaupt kaum draußen gespielt, weil es dort viel zu unsicher war“, sagt Vater Saif Arya. Er selbst, so erzählt er, habe in Afghanistan für das Flüchtlingshilfeprogramm der Vereinten Nationen gearbeitet, unter anderem Essen ausgegeben. Doch Verfolgung und äußerer Druck seien immer unerträglicher geworden, sodass er bereits im November 2013 nach Deutschland flüchtete. Im vergangenen Mai durfte er endlich seine Familie nachziehen lassen, und seitdem leben auch die Brüder Shaheer, Zaheer und Yama in Wahlstedt.
Der kleine Yama geht noch in den Kindergarten, Zaheer besucht die vierte Klasse der Helen-Keller-Schule und Shaheer eine 8. Klasse des Bad Segeberger Schulzentrums. „Sie sind eigentlich recht gute Schüler“, sagt der Vater über die beiden Älteren. „Doch nach erst sechs Monaten in Deutschland macht ihnen die Sprache noch zu schaffen.“ Er sei sich aber sicher, dass auch das gemeinsame Tennisspielen mit anderen der Entwicklung seiner Söhne gut tun werde: „Kinder verstehen sich doch gleich gegenseitig auf Anhieb.“
Zum Programm von „Tennis for free“ gehört eine einjährige, kostenlose Mitgliedschaft samt Tennistraining einmal wöchentlich. Außerdem wird jedem Teilnehmer ein Schläger gestellt, den das Kind oder der Jugendliche nach seinem Trainingsjahr behalten darf. Wollen Kind oder Jugendlicher weitermachen, sind ab Monat 13 die Eltern finanziell gefordert, wobei ein Beitrag für Jugendliche zum Beispiel beim TC Rot-Weiß sechs Euro im Monat beträgt. Das wöchentliche Training kostet je nach Jahreszeit (Halle oder nicht) zwischen 120 und 150 Euro pro Saison.
„Neben dem TC an der Schirnau in Kaltenkirchen sind wir bisher der einzige Club aus dem Kreis Segeberg, der mitmacht“, sagt Cheftrainer Meyer von Topspin/TC Rot-Weiß. Insgesamt beteiligen sich in den drei nördlichen Bundesländern bereits über 50 Vereine und kommerzielle Tennisanlagen an „Tennis for free“. Mitgliedsbeitrag, Schläger und Trainerstunden müssen von den Vereinen selbst finanziert werden - dafür bekommen sie von der Hse GmbH/Alexander-Otto-Sportstiftung Bälle für das Vereinstraining sowie Freikartenkontingente für das alljährliche Profi-Turnier am Rothenbaum zur Verfügung gestellt.

Lothar Kullack

3 afganische Brüder

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